Fahrgastbeirat Aachen
Stellungnahme zu Bürger*innengutachten Aachen 2025
12.10.2025
Der Fahrgastbeirat der Stadt Aachen hat das Gutachten des Bürger*innenrats Aachen 2025 zur Kenntnis genommen und die Vorschläge, die im Zusammenhang mit dem ÖPNV stehen, bewertet. Im Folgenden finden sich die einzelnen Stellungnahmen zu den Vorschlägen.
ÖPNV-Haltestellen
Vorschlag: Flächendeckende, autonome, solarbetriebene Echtzeitanzeigetafeln (präzise Informationen bereitstellen)
Der Fahrgastbeirat unterstützt die Forderung. Autonome und solarbetriebene Anzeigen, die auf der E-Ink-Displaytechnologie basieren, sind erheblich günstiger zu beschaffen (ca. 5.000 € ggü. aktuellen DFI Varianten, die ca. 50.000 € kosten). Neben den Kosteneinsparungen lassen sich entsprechende Anzeigetafeln durch geringere bauliche Veränderungen auch schneller ausrollen. Mobile Auskünfte sind für viele Fahrgäste kein ausreichender Ersatz für Echtzeitanzeigetafeln.
Vorschlag: Aufstellung von Bezahlautomaten (auch Barzahlung) an zentralen Haltestellen oder in den Bussen. Der Bezahlvorgang soll nicht mehr beim Fahrpersonal stattfinden.
Der Fahrgastbeirat sieht die Forderung kritisch. Durch die Einführung des Deutschlandtickets ist die Anzahl der Verkäufe von Einzeltickets zurückgegangen. Verzögerungen im Fahrgastbetrieb durch Bezahlvorgänge sind nur noch selten zu beobachten. Bezahlautomaten in Bussen gehen insbesondere zu Lasten von Sitz- oder Stehplätzen und können mobilitätseingeschränkte Personen beeinträchtigen. Bezahlautomaten an Haltestellen sind durch Vandalismus mit hohen Kosten verbunden, und für sehbeeinträchtigte Personen ist der Bezahlvorgang beim Fahrpersonal zugänglicher. Dennoch unterstützt der Fahrgastbeirat die Einrichtung von Ticketautomaten an Knotenpunkten und Park+Ride-Haltestellen, um hier die Ein- und Ausstiegszeiten zu beschleunigen.
Vorschlag: Schaffung von mehr Einbuchtungen (Bushaltestellen nicht mehr im Straßenraum)
Der Fahrgastbeirat sieht die Forderung in der geforderten Pauschalität äußerst kritisch. In der verkehrspolitischen Planung distanzierte man sich zuletzt von der Einrichtung von Einbuchtungen. Auch wenn Einbuchtungen an ausgewählten Haltestellen notwendig sind, um Verfrühungen von Bussen auszugleichen, sind diese mit erheblichen Einschränkungen für andere Verkehrsteilnehmende im Fuß- und Fahrradverkehr verbunden. Die durch die schräge Einfahrt bedingten erhöhten Abstände zur Bussteigkante stellen zudem Hürden für mobilitätseingeschränkte Reisende dar und stehen insbesondere im Widerspruch zum nächsten Vorschlag. Neben den erwähnten Einschränkungen ist auch das Einfädeln in den bestehenden Verkehr herausfordernd und kann zu Fahrzeitverlängerungen führen.
Vorschlag: Schaffung barrierefreier Einstiegsmöglichkeiten an allen Haltestellen
Der Fahrgastbeirat unterstützt die Forderung vollumfänglich.
Attraktiver ÖPNV
Vorschlag: Wir empfehlen die nachhaltige Attraktivität sowie Effizienz des ÖPNV durch dezentrale Knotenpunkte bei verbesserter Anbindung von Park+Ride Stationen an wichtigen Verkehrspunkten.
Der Fahrgastbeirat unterstützt die Forderung.
App
Vorschlag: Wir empfehlen der Stadt Aachen die Anschaffung/ Einrichtung einer interaktiven, intuitiv bedienbaren, barrierefreien, mehrsprachigen Mobilitätsapp in Echtzeit.
Der Fahrgastbeirat sieht diese Forderung kritisch. Im Mobilitätsbereich gibt es bereits die beiden Apps movA und naveo, deren Funktionsumfang ähnlich ist. Aus Fahrgastsicht ist der Unterschied der beiden Apps schwer ersichtlich. Eine weitere App würde zu erhöhter Unklarheit führen. Stattdessen plädiert der Fahrgastbeirat dafür, die beiden bestehenden Apps zusammenzuführen und weiterzuentwickeln. Weiterhin sollen die Echtzeitdaten öffentlich zugänglich gemacht und die Integrationen in bestehende Anwendungen wie DB Navigator, Apple Maps und Google Maps vorangetrieben werden.
Kostenloser ÖPNV
Vorschlag: Wir fordern die teilweise Einführung eines kostenlosen ÖPNV für Transferleistungsempfänger, Behinderte, Kinder und Azubis. Ein Wochenende im Monat kostenlos (z.B. verkaufsoffener Sonntag unter Einbindung des Einzelhandels)
Der Fahrgastbeirat weist darauf hin, dass die geringe Taktung an Sonntagen bereits zu einer erhöhten Auslastung in Bussen führt. Verkaufsoffene Sonntage sind nur unter Bereitstellung weiterer Verstärkerfahrten durchführbar. Ein kostenfreier ÖPNV würde zu einer Verschärfung des Problems beitragen.
Grundsätzlich begrüßt der Fahrgastbeirat jedoch die Einführung eines kostenfreien ÖPNV für alle Gruppen. Die wegfallenden Einnahmen dürfen jedoch unter keinen Umständen zu einer Angebotsreduktion führen. Unter diesen Aspekten präferiert der Fahrgastbeirat eine soziale Preisentwicklung des Deutschlandtickets sowie eine Beibehaltung der existierenden Vergünstigungen.
Konzepte, bei denen Eintrittskarten für Veranstaltungen und Museen ein kostenfreies ÖPNV-Ticket enthalten, befürwortet der Fahrgastbeirat.